Illusion Willensfreiheit

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Neuronen sind Teil der materiellen Welt und unterliegen deren Gesetzen

Helmut Fink:

Alle Naturvorgänge folgen entweder deterministischen Verlaufsgesetzen oder sie enthalten streng indeterministische Prozesse, für die die Quantentheorie präzise Wahrscheinlichkeitsaussagen ermöglicht. In beiden Fällen kommt die Beschreibung ohne metaphysische Zutaten aus. Das Auffinden von Ursachen zur Erklärung von Phänomenen findet immer innerhalb der materiellen Welt statt. Diese Geschlossenheit der materiellen Welt finden wir überall bestätigt- Wieso sollten sie gerade bei bewussten Willensentscheidungen nicht gelten? Die Erklärung komplexer Phänomene durch Rückführung auf ihre konstituierenden Bestandteile hat sich tausendfach bewährt. Da scheint es nur konsequent, dieses reduktionistische Herangehen auch auf geistige Phänomene anzuwenden.

Welcher Spielraum könnte für eine Freiheit des Willens noch übrig bleiben, wenn der Zustand aller Neuronen zur (im Prinzip erforschbaren) Grundlage der Beschreibung gemacht wird? 

Entweder ist die  neuronale Dynamik deterministisch. Dann kann es jedenfalls keine Freiheit in dem Sinne geben, dass ein Mensch in genau derselben Situation mit genau demselben Zustand seines Gehirns auch anders handeln könnte, als er es tatsächlich tut. Er könnte noch nicht einmal etwas anderes wollen, als er tatsächlich will.

Oder ein Teil der neuronalen Dynamik ist indeterministisch. Dann hätten wir sozusagen kleine Zufallsgeneratoren im Kopf. Aber erstens gibt es für deren Relevanz auf phänomenologischer Ebene keine überzeugenden Belege, und zweitens verfehlt ein für den Einzelfall blinder Zufall , der aber ( im Prinzip berechenbaren) Wahrscheinlichkeiten gehorcht, das intuitive Verständnis von Willensfreiheit völlig.

Wie plausibel die Determiniertheit demgegenüber ist, sieht man schon im Alltagsleben: Je besser man einen Mitmenschen kennt, desto treffsicherer kann man voraussagen, wie er in einer bestimmten Situation handeln wird. Trifft die Voraussage nicht ein, dann lassen sich gewiss Ursachen in der Vergangenheit dieses Mitmenschen finden, die man noch nicht kannte, die aber sein Verhalten erklären. Und wie präzise wären solche Voraussagen erst, wenn wir sein Gehirn kennen würden!“

Helmut Fink, Rainer Rosenzweig, in: Freier Wille – frommer Wunsch?, S. 11


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