Illusion Willensfreiheit

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Archiv der Kategorie: Definition

Der Schuldbegriff kommt ohne Präzisierung aus

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– meint der Strafrechtler Klaus Günther

K. Günther, Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozeßrecht, hält es für überflüssig zu definieren, was Schuld sei. Eine solche positive Begriffsbestimmung sei deshalb nicht notwendig, da man in der Strafrechtspraxis auch ohne eine solche auskomme. Es genüge zu wissen, wann Schuld auszuschließen sei, nämlich immer dann, wenn keine Ausnahmetatbestände nach 20, 21 STGB vorliegen. Das erinnert an den Ausspruch des ehemaligen Richters  am Obersten Gerichtshof Potter Stewart,  der zur Schwierigkeit der Bestimmung, was Pornographie sei und was nicht gemeint hatte :          „I know it when I see it.“

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Wenn aber alle Teile nicht frei sind, kann das Gesamtsystem nicht frei sein

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Christian Hoppe

„Nun ist da aber mein Gehirn, eingebettet in den Organismus und über das Nervensystem rundum mit ihm verknüpft. Und der Organismus ist seinerseits eingebettet in die Umwelt, mit der er physisch und chemisch fortlaufend interagiert. Alle diese Prozesse laufen determiniert ab. Kein Mensch kann sie vorausberechnen. Aber von Augenblick zu Augenblick kann sich der Gesamtzustand – Umwelt, Organismus, Gehirn – nur genau so verändern, wie er sich verändert. Kein einzelnes Element meines physischen Organismus verfügt über Freiheit, der gesamte Organismus ist in allen seinen Einzelteilen und Einzelfunktionen determiniert. Wie kann aber ein Gesamtsystem frei sein, wenn seine sämtlichen Bestandteile es nicht sind?

Intentionalität gibt es schon auf Zellebene

Manche mögen nun einwenden, hier läge ein mer(e)ologischer Fehlschluss vor: zu Unrecht werde dem Gesamtsystem eine Eigenschaft abgesprochen, nur weil die Teile (meros, das Teil) diese Eigenschaft nicht haben. Mit gleichem Recht könne man dann ja auch das Denken und das Fühlen als Illusionen bezeichnen, da keine Nervenzelle denken oder fühlen kann. Betrachtet man die Sache aber genauer, so kann man durchaus schon bei Molekülen und erst Recht bei Zellen rudimentäre Fähigkeiten der Reaktionsfähigkeit auf die Umwelt, ja sogar der Intentionalität (leben wollen) erkennen.  (mehr …)

Die einzige Möglichkeit, in exakt derselben Situation

 

 

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zwei unterschiedliche Dinge zu tun, wäre ein Zufallsgenerator; der passt aber genau nicht zum freien Willen.

Martin Bäker

M. Bäker http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen

 

Ein Elementarteilchen ist unvorhersehbar aufgrund  seines Quantenverhaltens, ein Mensch ist unvorhersehbar aufgrund seiner Komplexität.

 

Das Freiheitserleben ist ein Gefühl wie andere neuronal erzeugte Gefühle auch

 

MEDION Digital Camera

 

Helmut Fink:

 „Das Freiheitserleben ist dann ein Gefühl wie andere neuronal erzeugte Gefühle auch. Zu glauben, dass diesem Gefühl eine reale Wahlfreiheit in der Außenwelt entspricht, wäre dann allerdings nur eine wenngleich nützliche –  Illusion.

Zwar gibt es  Handlungsfreiheit im Sinne der Abwesenheit von Hindernissen, so zu handeln wie man will.

Und es gibt den Willen als neuronal erzeugte Vorstufe möglichen Handelns. Aber von diesem Willen seinerseits noch einmal zu behaupten, er sei frei, hätte dann keinerlei objektive Grundlage mehr: Der Mensch kann zwar (in günstigen Fällen) tun was er will. Aber er kann nicht (im analogen Sinn) wollen, was er will.

 

Helmut Fink, Rainer Rosenzweig, in: Freier Wille – frommer Wunsch?, S. 11f

Neuronen sind Teil der materiellen Welt und unterliegen deren Gesetzen

Helmut Fink:

Alle Naturvorgänge folgen entweder deterministischen Verlaufsgesetzen oder sie enthalten streng indeterministische Prozesse, für die die Quantentheorie präzise Wahrscheinlichkeitsaussagen ermöglicht. In beiden Fällen kommt die Beschreibung ohne metaphysische Zutaten aus. Das Auffinden von Ursachen zur Erklärung von Phänomenen findet immer innerhalb der materiellen Welt statt. Diese Geschlossenheit der materiellen Welt finden wir überall bestätigt- Wieso sollten sie gerade bei bewussten Willensentscheidungen nicht gelten? Die Erklärung komplexer Phänomene durch Rückführung auf ihre konstituierenden Bestandteile hat sich tausendfach bewährt. Da scheint es nur konsequent, dieses reduktionistische Herangehen auch auf geistige Phänomene anzuwenden.

Welcher Spielraum könnte für eine Freiheit des Willens noch übrig bleiben, wenn der Zustand aller Neuronen zur (im Prinzip erforschbaren) Grundlage der Beschreibung gemacht wird?  (mehr …)